Olympische Spiele – Lasst den Sport endlich Sport sein

Alle vier Jahre dasselbe Ritual: Die Welt blickt auf die Olympischen Spiele – und kaum ist das Feuer entzündet, lodert auch schon die politische Debatte. Fahnen, Gesten, Statements, Boykottforderungen. Manchmal hat man das Gefühl, das eigentliche 100-Meter-Finale findet im Kommentarbereich statt.

Dabei war die Idee der Spiele einmal bestechend einfach: Wettkampf statt Weltanschauung. Leistung statt Lagerdenken. Wer schneller läuft, weiter springt oder präziser zielt, gewinnt – unabhängig davon, was er denkt, glaubt oder wählt. Der Sport sollte das sein, was der Politik so oft misslingt: ein Raum mit klaren Regeln und gleichen Chancen.

Doch inzwischen scheint kaum noch ein Podest unkommentiert, keine Eröffnungsfeier unpolitisch interpretierbar. Jede Geste wird zum Statement erklärt. Jeder Applaus bekommt eine Bedeutung. Und jeder Athlet steht unter dem Generalverdacht, eigentlich eine Botschaft senden zu wollen.

Natürlich: Sport war nie völlig unpolitisch. Nationen marschieren unter Flaggen ein. Medaillenspiegel werden wie geopolitische Tabellen gelesen. Aber genau deshalb wäre Zurückhaltung klug. Wenn selbst der letzte Rückzugsort ideologischer Auseinandersetzung wird, bleibt kein neutraler Raum mehr übrig.

Olympische Spiele sind kein Parteitag. Sie sind auch kein Aktivistenforum. Sie sind eine Bühne für Disziplin, Talent, Entbehrung – und für die schlichte, beinahe altmodische Freude am fairen Wettstreit.

Wer politische Debatten führen will, findet dafür genug Arenen. Parlamente, Talkshows, Leitartikelspalten. Der Sport sollte nicht noch eine davon werden.

Lasst den Sport Sport sein. Manchmal ist genau das schon Botschaft genug.

Sein oder nicht sein...

Das ist auch hier die Frage – und nicht nur bei Hamlet.
Auch mein kritischer Journalismus steht genau an diesem Punkt: ohne einen einzigen Cent Zwangsgebühren, ohne Steuermillionen, ohne Milliardäre im Hintergrund.
Ich arbeite unabhängig – und lebe ausschließlich von Ihrer Unterstützung.
Auf Sie kommt es an.
Denn nur gemeinsam sind wir stark, nur gemeinsam können wir Missstände benennen und Dinge tatsächlich verändern.

Ihr Südpfalzreporter (Der Südpfalzgestalter) André Braselmann
PayPalwhydonate

Scroll to top