Landkreis Germersheim setzt bei den Kfz-Zulassungsstellen auf bargeldlose Zahlung – bequem für viele, problematisch für andere. Wer künftig sein Fahrzeug bei der Kfz-Zulassungsstelle im Landkreis Germersheim anmelden, ummelden oder# abmelden möchte, sollte nicht nur Fahrzeugpapiere und Ausweis dabeihaben. Auch die richtige Zahlungsart wird immer wichtiger.
Der Landkreis Germersheim stellt seine Kfz-Zulassungsstellen auf bargeldlose Zahlung um. In Kandel ist die Barzahlung bereits ab dem 10. August 2026 Geschichte. In Germersheim soll die Umstellung zum 1. September 2026 erfolgen.
Bezahlt werden kann künftig unter anderem mit Girocard, Kreditkarte sowie über Apple Pay und Google Pay.
Das klingt zunächst modern, digital und unkompliziert. Doch bei genauerem Hinsehen stellt sich eine ganz andere Frage:
Wie bürgerfreundlich ist eine Behörde, wenn sie Bargeld nicht mehr akzeptiert?
Bargeld ist immer noch gesetzliches Zahlungsmittel
Bargeld ist für viele Menschen mehr als ein paar Scheine im Portemonnaie. Es ermöglicht unmittelbares Bezahlen, funktioniert ohne Smartphone und ohne App und setzt kein bestimmtes technisches Bezahlsystem voraus.
Wer seine Ausgaben bewusst mit Bargeld kontrolliert, wer kein Smartphone besitzt oder schlicht keine Kartenzahlung nutzen möchte, steht bei einer bargeldlosen Behörde plötzlich vor einem Problem.
Natürlich wird niemand gezwungen, ein bestimmtes Smartphone zu besitzen. Aber wenn eine Verwaltungsleistung nur noch bargeldlos bezahlt werden kann, entsteht zumindest faktisch ein zusätzlicher Zugangshürden.
Und genau hier sollte Verwaltung besonders sensibel sein.
Digitalisierung darf nicht zur Einbahnstraße werden
Deutschland diskutiert seit Jahren über Digitalisierung. Behörden sollen schneller, moderner und effizienter werden. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden.
Aber Digitalisierung darf nicht bedeuten:
Was technisch möglich ist, wird automatisch zur Pflicht.
Eine moderne Verwaltung sollte unterschiedliche Bürger berücksichtigen – auch diejenigen, die nicht jeden neuen digitalen Bezahldienst nutzen.
Denn der Staat ist kein Online-Shop.
Eine Kfz-Zulassung ist eine Verwaltungsdienstleistung. Bürger kommen nicht freiwillig in die Zulassungsstelle, weil sie gerade Lust auf einen Behördengang haben. Sie müssen bestimmte Vorgänge erledigen, weil der Gesetzgeber es verlangt.
Gerade deshalb sollte der Zugang möglichst unkompliziert bleiben.
Und was ist mit dem Notfall?
- Was passiert, wenn die Karte plötzlich nicht funktioniert?
- Was passiert bei einem technischen Ausfall des Zahlungssystems?
- Was passiert, wenn die Bankkarte beschädigt ist, das Konto vorübergehend gesperrt wurde oder das Kartenlimit nicht ausreicht?
Mit Bargeld wäre die Situation zumindest eindeutig: Geld gegen Leistung.
Bei einem ausschließlich bargeldlosen System hängt die Bezahlung dagegen zusätzlich von funktionierender Technik, Karten, Zahlungsdienstleistern und gegebenenfalls mobilen Endgeräten ab.
Digitalisierung schafft Komfort – aber sie schafft auch Abhängigkeiten.
Bargeldabschaffung durch die Hintertür?
Natürlich bedeutet die Umstellung der Kfz-Zulassungsstellen nicht automatisch, dass Bargeld abgeschafft wird.
Aber sie ist ein weiteres Beispiel für einen Trend, der immer stärker sichtbar wird:
Bargeld verschwindet Schritt für Schritt aus dem Alltag.
Beim Bäcker, im Parkhaus, bei Veranstaltungen und nun auch bei Behörden wird zunehmend auf Kartenzahlung gesetzt.
Jeder einzelne Schritt lässt sich begründen.
Doch irgendwann sollte die Gesellschaft trotzdem die grundsätzliche Frage stellen:
Wollen wir wirklich eine Welt, in der jeder Zahlungsvorgang digital nachvollziehbar und technisch abhängig ist?
Denn Bargeld hat eine Eigenschaft, die digitale Zahlungsmittel nicht besitzen:
Man kann damit bezahlen, ohne dass dafür ein Konto, ein Smartphone oder ein Zahlungsdienstleister benötigt wird.
Effizienz ist kein Freibrief
Der Landkreis dürfte mit der Umstellung gute Gründe haben. Bargeld verursacht Aufwand, Kassen müssen geführt werden und die Abwicklung elektronischer Zahlungen kann für eine Verwaltung einfacher sein.
Das ist nachvollziehbar.
Aber Verwaltung darf nicht nur aus Sicht der Verwaltung gedacht werden.
Bürgerfreundlichkeit bedeutet auch, unterschiedliche Bedürfnisse zu berücksichtigen.
Wenn die Umstellung tatsächlich Kosten spart und Abläufe vereinfacht, ist das legitim. Trotzdem wäre es sinnvoll, zumindest eine Lösung für Bürger vorzuhalten, die keine bargeldlose Zahlung nutzen können oder wollen.
Denn moderne Verwaltung sollte nicht sagen:
Wir können es digital, also müsst ihr es digital machen.
Moderne Verwaltung sollte sagen:
Wir können es digital – aber wir lassen niemanden zurück.
Modernisierung ja – Bevormundung nein
Die Umstellung der Kfz-Zulassungsstellen im Landkreis Germersheim mag organisatorisch sinnvoll sein. Sie ist aber auch ein Anlass, über die Grenzen der Digitalisierung nachzudenken.
Bargeld ist nicht altmodisch. Es ist eine zusätzliche Zahlungsoption.
Und solange Bürger ihre Verwaltungsgebühren bezahlen können, sollte die Frage erlaubt sein, warum eine Behörde diese Zahlungsoption grundsätzlich ausschließt.
Digitalisierung sollte den Bürgern das Leben leichter machen – nicht ihnen vorschreiben, wie sie zu bezahlen haben.
Vielleicht wäre deshalb die beste Lösung nicht bargeldlos statt Bargeld, sondern schlicht:
Karte oder Bargeld – der Bürger entscheidet selbst.
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