Von André Braselmann | Südpfalzreporter
Berlin hat offenbar ein neues Casting entdeckt: Nicht für eine Fernsehsendung, sondern für das höchste Staatsamt der Bundesrepublik.
Hape Kerkeling soll Bundespräsident werden.
Was zunächst wie ein Scherz aus einer Comedy-Sendung klingt, ist tatsächlich eine laufende Petition auf der Plattform WeAct von Campact. Die Initiatoren fordern die Bundestagsfraktionen von Union, SPD, Grünen und Linken auf, Kerkeling als gemeinsamen überparteilichen Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl am 30. Januar 2027 zu nominieren. Inzwischen haben mehr als 145.000 Menschen unterschrieben. (WeAct)
Und damit wird aus einer kuriosen Idee plötzlich eine politische Debatte.
Vom Fernsehstar ins Schloss Bellevue
Hape Kerkeling ist zweifellos eine bekannte Persönlichkeit. Er ist Entertainer, Komiker, Autor und Schauspieler. Millionen Menschen kennen seine Figuren und seine Fernsehauftritte.
Doch Bekanntheit ist noch keine politische Qualifikation.
Genau hier beginnt die Diskussion.
Der Bundespräsident ist schließlich nicht der Moderator einer Unterhaltungssendung. Er ist das Staatsoberhaupt Deutschlands und repräsentiert die Bundesrepublik nach innen und außen.
Die Initiatoren der Petition sehen in Kerkeling dagegen gerade wegen seiner öffentlichen Bekanntheit und seiner gesellschaftspolitischen Äußerungen eine geeignete Persönlichkeit. Auslöser war unter anderem seine Rede beim Gedenkakt zur Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald im April 2026. (Campact)
Auch Politikerin Heidi Reichinnek äußerte sich positiv zu der Idee. (DIE WELT)
Die linke Bubble entdeckt den Promi-Faktor
Hier wird es politisch interessant.
Die Petition richtet sich ausdrücklich an die Fraktionsführungen von CDU/CSU, SPD, Grünen und Linken. Damit ist sie keineswegs nur eine private Fanaktion, sondern versucht, Einfluss auf die politische Suche nach einem Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier zu nehmen. (WeAct)
Aus Sicht der Kritiker entsteht dabei ein befremdlicher Eindruck: Während die etablierten Parteien seit Monaten über geeignete Kandidaten für das höchste Staatsamt diskutieren, kommt plötzlich ein Vorschlag aus dem Umfeld einer politischen Kampagnenplattform – und dieser lautet ausgerechnet: ein prominenter Entertainer soll es richten.
Man könnte es auch überspitzt formulieren:
Deutschland sucht den Bundespräsidenten – und offenbar darf inzwischen auch das Promi-Casting mitmachen.
Kerkeling selbst bleibt erstaunlich zurückhaltend
Besonders bemerkenswert ist allerdings, dass Kerkeling selbst keineswegs voller Begeisterung nach Bellevue drängt.
Im niederländischen Fernsehen sagte der 61-Jährige im September 2026, dass ihn bislang niemand gefragt habe und er selbst noch keine Antwort darauf habe. Er bezeichnete eine mögliche Kandidatur als große Ehre, deutete aber zugleich an, dass er möglicherweise lieber in den Ruhestand gehen würde. (Zeit Online)
Das ist vielleicht die vernünftigste Reaktion an der gesamten Geschichte.
Darf ein Entertainer überhaupt Bundespräsident werden?
Rein rechtlich spricht zunächst nichts dagegen.
Für das Amt muss ein Kandidat unter anderem deutscher Staatsbürger sein, das Wahlrecht zum Bundestag besitzen und mindestens 40 Jahre alt sein. Gewählt wird der Bundespräsident nicht direkt vom Volk, sondern von der Bundesversammlung. (Campact)
Kerkeling erfüllt die Altersvoraussetzung.
Die eigentliche Frage ist deshalb keine juristische, sondern eine politische:
Welche Erwartungen stellen wir an das höchste Staatsamt?
Soll vor allem eine besonders bekannte Persönlichkeit Deutschland repräsentieren?
Oder sollte politische und staatspolitische Erfahrung eine entscheidende Rolle spielen?
Darüber lässt sich selbstverständlich streiten.
Das Problem mit der Prominenz
Deutschland hat in der Vergangenheit immer wieder Persönlichkeiten aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen in die Bundesversammlung entsandt. Prominenz allein ist deshalb keineswegs ein Ausschlusskriterium.
Aber das Bundespräsidentenamt ist eben auch kein Publikumspreis.
Ein Bundespräsident muss Gesetze ausfertigen, den Staat repräsentieren, politische Prozesse begleiten und in gesellschaftlichen Konflikten eine besondere Rolle einnehmen.
Wer das Amt übernehmen will, muss deshalb nicht zwingend Berufspolitiker sein.
Aber die Tatsache, dass jemand Millionen Menschen zum Lachen gebracht hat, ist für sich genommen noch kein Nachweis dafür, dass er auch für dieses Staatsamt geeignet ist.
Und genau deshalb ist die Debatte interessant
Die Forderung nach Hape Kerkeling als Bundespräsident ist weniger deshalb interessant, weil Kerkeling tatsächlich bereits Kandidat wäre.
Das ist er nicht.
Interessant ist vielmehr, was diese Petition über die politische Stimmung in Deutschland aussagt.
Offenbar gibt es Menschen, die sich nach Persönlichkeiten sehnen, die nicht aus dem klassischen politischen Betrieb stammen. Eine bekannte Persönlichkeit aus Fernsehen und Kultur erscheint ihnen offenbar attraktiver als der nächste Berufspolitiker.
Das sollte die Parteien zumindest zum Nachdenken bringen.
Denn wenn Bürger den Eindruck gewinnen, dass Politik nur noch aus Parteitaktik, Personalabsprachen und politischen Karrieren besteht, entsteht irgendwann die Sehnsucht nach jemandem von außerhalb.
Ob Hape Kerkeling dafür die richtige Antwort ist, muss jeder selbst beurteilen.
Ein bisschen weniger Promi-Casting wäre vielleicht nicht schlecht
Die Bundespräsidentenwahl 2027 sollte jedenfalls mehr sein als eine Abstimmung über den Bekanntheitsgrad eines Kandidaten.
Hape Kerkeling ist Entertainer.
Das ist keine Abwertung, sondern eine Berufsbezeichnung.
Und genau deshalb darf man auch die Frage stellen, ob ausgerechnet ein Entertainer das richtige Signal für das höchste Staatsamt wäre.
- Vielleicht braucht Deutschland keinen Bundespräsidenten, den möglichst viele aus dem Fernsehen kennen.
- Vielleicht braucht Deutschland einfach eine Persönlichkeit, die unabhängig von ihrer Prominenz überzeugt.
Die Petition zeigt zumindest eines: Die Suche nach Frank-Walter Steinmeiers Nachfolger wird zunehmend auch zur gesellschaftlichen Debatte.
Und wer weiß – vielleicht wird aus dem Schloss Bellevue tatsächlich irgendwann eine Bühne.
Dann fehlt eigentlich nur noch die passende Showmusik.
Deutschland sucht den Bundespräsidenten.
André Braselmann
Ich bin unabhängiger freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Südpfalz.
- Ich berichte über Ereignisse, Menschen und Entwicklungen aus unserer Region.
- Meine journalistische Arbeit finanziert sich nicht durch staatliche Fördermittel.
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