A65 in der Südpfalz: Wenn der Parkplatzmangel zum Sicherheitsproblem wird
Am Donnerstag gegen 16 Uhr meldeten Verkehrsteilnehmer zwei abgestellte Lkw in einer Nothaltebucht nahe der Anschlussstelle Landau-Süd. Die Polizei traf die Fahrer an. Ihre Begründung: Sie wollten dort ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen einlegen.
Die Beamten untersagten den Aufenthalt, forderten die Fahrer zum Weiterfahren auf und verhängten Verwarngelder. Die Polizei stellte zugleich klar: Nothalte- und Pannenbuchten sind ausschließlich für technische Defekte oder akute Notlagen vorgesehen. Für reguläre Pausen müssen Rastplätze oder Autohöfe genutzt werden. (Presseportal)
Daran gibt es nichts zu rütteln.
Doch die entscheidende Frage lautet:
Wo sollen die Lkw eigentlich stehen?
Eine Antwort darauf liefert ein Blick in die offiziellen Zahlen.
Eine Kleine Anfrage im rheinland-pfälzischen Landtag aus dem Jahr 2023 dokumentierte für die A65 zwischen dem Autobahnkreuz Wörth und dem Autobahnkreuz Mutterstadt insgesamt nur eine begrenzte Zahl ausgewiesener Lkw-Stellplätze.
In Fahrtrichtung Norden standen demnach am Parkplatz Spechtersee 19 Lkw-Stellplätze zur Verfügung. Auf der Rastanlage Pfälzer Weinstraße Ost kamen weitere 13 hinzu. Durch nächtliche Mischnutzung von Pkw-Stellplätzen konnten zusätzlich sechs Lkw-Plätze entstehen.
In Richtung Süden waren am Parkplatz Spielberg 19 Lkw-Stellplätze vorhanden, an der Rastanlage Pfälzer Weinstraße West weitere 13. Auch dort konnten nachts sechs zusätzliche Stellmöglichkeiten durch Mischnutzung entstehen.
Noch bemerkenswerter ist die damalige Bedarfsprognose: Für die A65 wurde ein zusätzlicher Bedarf von 164 Lkw-Stellplätzen bis 2030 ausgewiesen. Zum Zeitpunkt der Erhebung waren laut Landesregierung keine zusätzlichen Stellplätze seit 2018 hinzugekommen. Außerdem waren die Kapazitäten der vorhandenen Rastanlagen an der A65 bei der damaligen Erhebung bereits abends ausgeschöpft.
100 neue Stellplätze – aber nur in der Planung
Die Politik hat das Problem also nicht erst gestern entdeckt.
Als konkrete Maßnahme wurde bereits 2023 der Neubau der PWC-Anlagen Trappelberg Ost und West mit insgesamt 100 neuen Lkw-Stellplätzen genannt. Der Planungsstand wurde damals allerdings lediglich mit Vorplanung angegeben.
Auch Erweiterungen der Rastanlage Pfälzer Weinstraße sowie weitere Maßnahmen an der A65 wurden in einer früheren parlamentarischen Antwort als Projekte der Autobahn GmbH aufgeführt. (Dokumentenserver Landtag Rheinland-Pfalz)
Das Problem hat damit eine bemerkenswerte Kontinuität.
Bereits 2010 wurde im Landtag auf die besondere Situation südlich der Rastanlage Pfälzer Weinstraße hingewiesen. Damals wurde darauf aufmerksam gemacht, dass es in Richtung Baden-Württemberg über einen langen Abschnitt keine weiteren geeigneten Parkmöglichkeiten gab. Gleichzeitig wurde ausdrücklich die Frage gestellt, wie Lkw-Fahrern Parkplätze zur Verfügung gestellt werden können, damit sie ihre Lenk- und Ruhezeiten einhalten können. (Dokumentenserver Landtag Rheinland-Pfalz)
Der Fahrer kann nicht einfach weiterfahren
Genau hier liegt der Kern des Problems.
Ein Lkw-Fahrer kann seine gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit nicht beliebig verschieben. Wenn die Lenkzeit erreicht ist, muss eine geeignete Möglichkeit zum Abstellen des Fahrzeugs vorhanden sein.
Natürlich bedeutet das nicht, dass eine Nothaltebucht plötzlich zum Rastplatz wird.
Aber ebenso wenig kann die Antwort auf einen strukturellen Parkplatzmangel dauerhaft lauten: Dann fahren Sie eben weiter.
Denn irgendwann ist die zulässige Lenkzeit erreicht.
Und dann entsteht ein gefährlicher Zielkonflikt:
Dass dieses Problem nicht theoretischer Natur ist, zeigen auch ältere Polizeimeldungen aus demselben Bereich. Bereits 2021 stellte die Polizei an der Anschlussstelle Landau-Süd mehrere Lkw fest, deren Fahrer in der Pannenbucht Pause machten. Im selben Einsatz wurden zudem Lkw-Fahrer verwarnt, die ihre Fahrzeuge im Einfahrtsbereich der Rastanlage Pfälzer Weinstraße abgestellt hatten. (Presseportal)
Und schon 2018 musste an der A65 bei Landau-Süd ein Lkw-Fahrer eine Sicherheitsleistung bezahlen, weil er seine Ruhezeit in der Nothaltebucht einlegte. (Presseportal)
Das Problem ist also offensichtlich nicht neu.
Aus einem Parkplatzproblem wird ein Sicherheitsproblem
Wenn Lkw auf Einfahrten, Ausfahrten, Seitenstreifen oder Nothaltebuchten ausweichen, steigt das Risiko für alle Verkehrsteilnehmer.
Ein besonders eindrückliches Beispiel lieferte die A65 bei Kandel im Juli 2024: Nach Polizeiangaben stand ein Lkw widerrechtlich in einer Nothaltebucht und fuhr anschließend wieder in den fließenden Verkehr ein. Ein anderer Lkw musste ausweichen und notbremsen. In der Folge wurden weitere Fahrzeuge in den Unfall verwickelt. (Presseportal)
Damit wird deutlich:
Polizei kontrolliert – Politik muss liefern
Die Polizei kann und muss verbotswidrig abgestellte Lkw kontrollieren. Das ist keine Frage.
Doch Kontrolle allein schafft keinen einzigen zusätzlichen Stellplatz.
Wenn der Staat von Berufskraftfahrern verlangt, Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten, muss die notwendige Infrastruktur auch vorhanden sein.
Deshalb gehört zur aktuellen Meldung über die beiden Verwarnungen an der A65 zwingend die zweite Hälfte der Geschichte:
Wo sind die zusätzlichen Lkw-Stellplätze, die seit Jahren benötigt werden?
Die offiziellen Zahlen von 2023 nannten für die A65 einen zusätzlichen Bedarf von 164 Stellplätzen bis 2030. Gleichzeitig waren die vorhandenen Anlagen bereits bei der damaligen Erhebung abends ausgelastet.
Das sollte Anlass genug sein, den aktuellen Stand der angekündigten Projekte zu hinterfragen.
Nothaltebucht bleibt Nothaltebucht
Es wäre falsch, den Lkw-Fahrern deshalb einen Freifahrtschein auszustellen.
Eine Nothaltebucht ist keine Raststätte. Sie muss im Ernstfall frei sein – für einen liegengebliebenen Pkw, einen technischen Defekt oder eine andere akute Notlage.
Aber genauso falsch wäre es, den Parkplatzmangel einfach zu ignorieren.
Wer von der Logistikbranche verlangt, dass Waren pünktlich geliefert werden, wer auf den täglichen Güterverkehr angewiesen ist und gleichzeitig gesetzliche Ruhezeiten vorschreibt, muss auch dafür sorgen, dass ausreichend Stellplätze vorhanden sind.
Die eigentliche Frage an die Verantwortlichen
Die zwei Verwarngelder von Landau-Süd sind schnell ausgesprochen.
Die wesentlich schwierigere Frage lautet:
Wie viele zusätzliche Lkw-Stellplätze gibt es heute tatsächlich an der A65 in der Südpfalz – und wann werden die seit Jahren geplanten neuen Stellplätze endlich fertig?
Denn eines sollte klar sein:
Eine Nothaltebucht darf niemals zum Ersatz für einen fehlenden Rastplatz werden. Aber ein fehlender Rastplatz darf genauso wenig zum Dauerproblem für diejenigen werden, die dort täglich unseren Güterverkehr am Laufen halten.
Quellen
Polizeidirektion Landau, Meldung vom 14. August 2026 zur A65/Anschlussstelle Landau-Süd. (Presseportal)
Landtag Rheinland-Pfalz, Drucksache 18/6694, Antwort zur Anzahl der Lkw-Parkplätze entlang der A65.
Landtag Rheinland-Pfalz, Drucksache 15/4416, Parkplätze an der A65. (Dokumentenserver Landtag Rheinland-Pfalz)
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