Angriff auf AfD-Jugendchef in Schwerin: Polizei ermittelt gegen drei Tatverdächtige – Schumann beschuldigt Antifa
Schwerin – Der Angriff auf Michael Schumann, Hamburger Landesvorsitzender der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD), ist nicht mehr nur Gegenstand von Berichten aus dem politischen Umfeld der AfD: Die Polizei bestätigt den Angriff. Drei Personen gelten als tatverdächtig. Schumann selbst und die AfD Hamburg machen Antifa-Aktivisten für die Attacke verantwortlich – diese politische Zuordnung hat die Polizei bislang allerdings nicht bestätigt.
Am Rande des „Tags der Deutschen Jugend“ in Schwerin ist der Hamburger GD-Landesvorsitzende Michael Schumann angegriffen und am Kopf verletzt worden. Bilder zeigen ihn mit blutverschmiertem Gesicht und einer deutlich sichtbaren Verletzung im Bereich der Augenbraue.
Nach aktuellen Medienberichten bestätigt die Polizei den Angriff. Drei Tatverdächtige wurden ermittelt. Gegen sie wird wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt.
Damit steht inzwischen wesentlich mehr fest als unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls: Schumann wurde tatsächlich angegriffen und verletzt, und die Polizei hat drei Personen als Tatverdächtige ermittelt.
Schumann spricht von rund 30 Vermummten
BILD berichtet unter Berufung auf Schumann, dass sich nach dessen Darstellung etwa 30 vermummte Personen aus dem Antifa-Spektrum ungefähr 100 Meter vom Schweriner Schloss entfernt aufgehalten hätten.
Schumann zufolge sei er gemeinsam mit weiteren Personen auf dem Weg in Richtung Schloss gewesen. Dabei soll zunächst Pfefferspray eingesetzt worden sein. Anschließend seien Personen seiner Gruppe gefolgt.
Die AfD Hamburg erhebt ebenfalls schwere Vorwürfe und macht Antifa-Aktivisten für den Angriff verantwortlich.
Diese Darstellung ist allerdings von der polizeilich bestätigten Faktenlage zu unterscheiden:
Dass Schumann angegriffen wurde und drei Tatverdächtige ermittelt wurden, ist bestätigt. Dass diese Personen tatsächlich der Antifa oder einer konkreten linksextremen Gruppierung angehören, hat die Polizei bislang nicht bestätigt.
Platzwunde am Kopf – Behandlung im Krankenhaus
Schumann erlitt bei dem Angriff eine blutende Verletzung am Kopf. Nach Angaben der AfD Hamburg musste der Politiker anschließend im Krankenhaus behandelt werden.
Auch andere Medien bestätigen inzwischen den Vorfall. Die Süddeutsche Zeitung berichtet ebenfalls, Schumann habe ein Video veröffentlicht, das ihn mit einer Beule an der Stirn und blutigem Gesicht zeigt. Die Polizei bestätigte demnach den Angriff und die Ermittlung von drei Tatverdächtigen.
Damit lässt sich der Vorfall nicht mehr als bloße parteipolitische Behauptung abtun: Es gab einen körperlichen Angriff, es gab einen Verletzten und es gibt Tatverdächtige.
Rund 420 Teilnehmer bei Generation Deutschland
Am „Tag der Deutschen Jugend“ beteiligten sich nach aktuellen Angaben etwa 420 Anhänger der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland.
Ihnen standen ungefähr 460 Gegendemonstranten gegenüber. Diese versuchten unter anderem mit# Sprechchören, die Veranstaltung zu übertönen.
Auch Sitzblockaden wurden eingesetzt, um den anschließenden Demonstrationszug zu behindern. Die Polizei änderte daraufhin kurzfristig die Route.
Einsatzkräfte aus mehreren Bundesländern unterstützten die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern.
Gewalt gegen politische Gegner darf nicht relativiert werden
Der Fall Schwerin wirft eine grundsätzliche Frage auf, die unabhängig von der politischen Farbe beantwortet werden muss: Wie weit darf politischer Protest gehen?
Die Antwort ist denkbar einfach.
- Demonstrieren: ja.
- Protestieren: ja.
- Eine AfD-Veranstaltung lautstark kritisieren: selbstverständlich.
- Blockaden bewegen sich je nach konkreter Ausgestaltung bereits in einem rechtlich sensibleren Bereich.
- Aber einen politischen Gegner körperlich anzugreifen, mit Pfefferspray zu attackieren oder zu verletzen, hat mit demokratischer Auseinandersetzung nichts mehr zu tun.
- Dabei spielt es keine Rolle, ob das Opfer Mitglied der AfD, SPD, CDU, Grünen oder Linken ist.
Politische Gewalt bleibt politische Gewalt – auch dann, wenn sie denjenigen trifft, den man selbst politisch ablehnt.
Antifa-Vorwurf muss jetzt aufgeklärt werden
Gleichzeitig wäre es journalistisch falsch, aus der bislang bekannten Faktenlage bereits eine abschließende Täterschaft der Antifa abzuleiten.
Schumann erhebt diesen Vorwurf. Die AfD Hamburg erhebt ihn ebenfalls. Medien berichten darüber.
Die Ermittlungsbehörden haben die politische beziehungsweise organisatorische Zuordnung der drei Tatverdächtigen bislang jedoch nicht bestätigt.
Genau deshalb ist eine transparente Aufklärung wichtig.
- Wer sind die drei Tatverdächtigen?
- Aus welchem Umfeld stammen sie?
- Handelte es sich um Teilnehmer der Gegendemonstrationen?
- Und gibt es tatsächliche Verbindungen zum linksextremen Spektrum?
Diese Fragen sollten anhand der Ermittlungen beantwortet werden – nicht anhand politischer Vorannahmen.
Schwerin zeigt die Grenze des politischen Protests
Der Vorfall zeigt zugleich, wie schnell eine aufgeheizte politische Konfrontation eskalieren kann.
Demokratie bedeutet nicht, dass politische Gegner sympathisch sein müssen. Sie bedeutet auch nicht, dass ihre Positionen widerspruchslos hingenommen werden müssen.
Sie bedeutet aber, dass politische Konflikte mit Argumenten, Wahlen und friedlichem Protest ausgetragen werden – und nicht mit Fäusten oder Pfefferspray.
Für Schwerin steht inzwischen fest: Michael Schumann wurde angegriffen und verletzt. Drei Tatverdächtige wurden ermittelt.
Ob sich der von Schumann und der AfD Hamburg erhobene Antifa-Vorwurf bestätigt, müssen nun die Ermittlungen zeigen.
Gemeinsam für unabhängigen Lokaljournalismus
Ich bin unabhängiger freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Südpfalz.
- Ich berichte über Ereignisse, Menschen und Entwicklungen aus unserer Region – sachlich, kritisch und nah an den Bürgerinnen und Bürgern.
- Meine journalistische Arbeit finanziert sich weder durch Rundfunkbeiträge noch durch staatliche Fördermittel oder finanzielle Großsponsoren.
- Unabhängiger Lokaljournalismus lebt von der Unterstützung seiner Leserinnen und Leser.
Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie dabei, dass die Südpfalz auch künftig eine unabhängige journalistische Stimme behält.
Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!
Ihr SüdpfalzreporterAndré Braselmann
