Aus 6,4 Kilometern werden kilometerlange Umwege – ein Bürger rechnet mit zusätzlichem Sprit, Verschleiß und verlorener Lebenszeit ab
Rülzheim – Sieben Monate Vollsperrung zwischen Rülzheim und Herxheim-Weyer. Für Pendler, Schüler, Familien und alle, die täglich zwischen den Orten unterwegs sind, bedeutet das vor allem eines: Umwege, zusätzliche Kosten und deutlich mehr Zeit im Auto.
Während auf dem Papier von Umleitungen gesprochen wird, stellt sich für viele Betroffene eine ganz andere Frage:
Wer trägt eigentlich die zusätzlichen Kosten, die durch die monatelange Vollsperrung entstehen?
Ein Rülzheimer Bürger findet darauf eine sehr deutliche Antwort – und rechnet öffentlich mit der Situation ab.
Sag mal, habt ihr eigentlich Lack gesoffen?
Mit dieser provokanten Frage beginnt seine Reaktion auf die angekündigte Vollsperrung:
SAGT MAL, HABT IHR EIGENTLICH LACK GESOFFEN?!
Sieben Monate Vollsperrung zwischen Rülzheim und Herxheim-Weyer.
Und für alle, die dort jeden Tag zur Arbeit, zur Schule oder sonst wohin müssen, lautet die Lösung offenbar:
Fahrt halt außenrum.
Ach sooo. Na dann.
Der Bürger verweist dabei auf die inzwischen erheblichen Kraftstoffpreise und stellt die einfache Rechnung auf: Wer aufgrund der Umleitung täglich deutlich mehr Kilometer zurücklegen muss, spürt die Sperrung nicht nur auf der Uhr, sondern auch im Geldbeutel.
Tausende zusätzliche Kilometer auf dem Tacho
Besonders deutlich wird die Kritik bei der Betrachtung eines täglichen Arbeitswegs.
Wer durch die Umleitung jeden Tag ungefähr 20 Kilometer mehr fährt, kommt nach sieben Monaten auf rund 3.000 zusätzliche Kilometer.
- 3.000 Kilometer, die nicht freiwillig gefahren werden.
- 3.000 Kilometer, die durch die Sperrung entstehen.
- Und 3.000 Kilometer, die für das eigene Fahrzeug zusätzlichen Kraftstoffverbrauch und zusätzlichen Verschleiß bedeuten.
Der Bürger rechnet deshalb mit rund 500 bis 600 Euro zusätzlichen Spritkosten.
Eine Summe, die für viele Haushalte alles andere als nebensächlich ist.
500 bis 600 Euro – einfach weg
500 bis 600 Euro zusätzliche Kosten für den Arbeitsweg sind für einen durchschnittlichen Haushalt kein Kleingeld.
Der Rülzheimer bringt es drastisch auf den Punkt:
Fünfhundert bis sechshundert Euro.
Das ist für manche Menschen eine Monatsmiete. Eine Stromnachzahlung. Lebensmittel für Wochen.
Und genau hier setzt seine Kritik an.
Denn während die Baustelle und die notwendige Umleitung organisiert werden, müssen die finanziellen Folgen im Alltag vor allem diejenigen tragen, die auf ihr Auto angewiesen sind.
Der zusätzliche Sprit wird privat bezahlt.
Der zusätzliche Verschleiß wird privat bezahlt.
Die zusätzliche Zeit wird ebenfalls privat bezahlt.
75 Stunden im Auto – wer gibt diese Zeit zurück?
Noch größer wird die Dimension, wenn nicht nur das Geld, sondern auch die Zeit betrachtet wird.
Bei ungefähr 30 Minuten zusätzlicher Fahrzeit pro Tag können sich über sieben Monate rund 75 Stunden zusätzliche Fahrzeit ergeben.
75 Stunden.
Das sind mehr als drei komplette Tage.
- Zeit, die nicht mit der Familie verbracht werden kann.
- Zeit, die nicht für Kinder, Freunde oder Erholung zur Verfügung steht.
- Zeit, die stattdessen im Auto verbracht wird.
Der Bürger fragt deshalb sinngemäß:
Wer gibt dir die 75 Stunden mit deiner Familie, deinen Kindern oder einfach deinem verdammten Feierabend zurück?
Die Antwort ist eindeutig:
Niemand.
Wer bezahlt eigentlich den Umweg?
Die Kritik richtet sich dabei nicht grundsätzlich gegen die Bauarbeiten.
Der Bürger räumt ausdrücklich ein:
Straßen müssen saniert werden. Geschenkt.
Es geht vielmehr um die Frage, welche Konsequenzen eine siebenmonatige Vollsperrung für diejenigen hat, die täglich auf diese Verbindung angewiesen sind.
Denn die L 493 ist keine beliebige Nebenstrecke für gelegentliche Ausflüge.
Für Menschen in Rülzheim, Herxheim-Weyer und den umliegenden Gemeinden gehört die Verbindung zum täglichen Verkehrsweg.
Wenn daraus über Monate ein erheblicher Umweg wird, entstehen zwangsläufig zusätzliche Belastungen.
Das Problem ist nicht nur der Sprit
Die Diskussion lässt sich deshalb nicht ausschließlich auf die Kraftstoffkosten reduzieren.
Hinzu kommen:
- zusätzliche Kilometer
- höherer Kraftstoffverbrauch
- zusätzlicher Fahrzeugverschleiß
- längere Fahrzeiten
- höhere Verkehrsbelastung auf den Umleitungsstrecken
- weniger Zeit für Familie und Freizeit
- zusätzliche Belastungen für Pendler und Berufstätige
Und genau deshalb sorgt die Vollsperrung bei einigen Bürgern für erheblichen Unmut.
Fahrt halt die Umleitung – aber wer zahlt?
Besonders bissig formuliert es der Rülzheimer Bürger am Ende seiner Reaktion:
Wer gibt einem eigentlich das Geld zurück?
Keiner.
Wer bezahlt den zusätzlichen Verschleiß?
Du.
Und dann folgt der wohl wichtigste Punkt seiner Kritik:
Wer gibt dir die 75 Stunden mit deiner Familie, deinen Kindern oder einfach deinem verdammten Feierabend zurück?
Auch darauf gibt es keine finanzielle Entschädigung.
Wenn der Arbeitsweg plötzlich zur Kostenfrage wird
Für Menschen mit einem ohnehin langen Arbeitsweg kann eine solche zusätzliche Belastung irgendwann zu einer grundsätzlichen Frage werden.
Wie viel kostet mich mein täglicher Weg zur Arbeit tatsächlich?
- Nicht nur in Sprit.
- Sondern auch in Zeit und Fahrzeugkosten.
Der Bürger formuliert es deshalb provokant:
Und dann wundert man sich irgendwann, wenn Arbeitnehmer sagen: Leute, ich kann mir den Weg zur Arbeit bald schlicht nicht mehr leisten.
Das ist überspitzt formuliert – trifft aber einen Punkt, über den angesichts langer Umleitungen durchaus diskutiert werden kann.
Kein Goldesel im Garten
Zum Schluss wird die Wortwahl nochmals deutlich:
Denn wir haben nicht alle einen Goldesel im Garten, der morgens zwischen Frühstück und Zähneputzen ein paar Fünfziger scheißt.
Die Botschaft dahinter ist allerdings sehr ernst:
Die Kosten der Umleitung landen letztlich bei den Verkehrsteilnehmern.
- Der Sprit muss bezahlt werden.
- Der Verschleiß muss bezahlt werden.
- Die zusätzliche Zeit kann niemand zurückgeben.
Und deshalb reicht es aus Sicht vieler Betroffener nicht, lediglich auf die ausgeschilderte Umleitung zu verweisen.
Hauptsache, das Umleitungsschild steht?
Die Reaktion endet schließlich mit einem Satz, der den Frust des Bürgers zusammenfasst:
Das Geld nimmt uns die Umleitung. Die Zeit nimmt sie uns auch. Und zurück gibt uns beides keiner.
Und dann:
Aber Hauptsache, das Umleitungsschild steht.
Ob man diese Wortwahl nun lustig, überzogen oder völlig berechtigt findet, bleibt jedem selbst überlassen.
Die Frage dahinter ist jedoch durchaus ernst: Was bedeutet eine siebenmonatige Vollsperrung für die Menschen, die diese Strecke täglich nutzen müssen?
Denn eine Umleitung ist auf dem Papier schnell eingezeichnet.
Die Rechnung dafür landet allerdings jeden Tag bei denjenigen, die sie fahren müssen.
André Braselmann
Ich bin unabhängiger freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Südpfalz.
- Ich berichte über Ereignisse, Menschen und Entwicklungen aus unserer Region.
- Meine journalistische Arbeit finanziert sich nicht durch staatliche Fördermittel.
- Unabhängiger Journalismus lebt von der Unterstützung seiner Leserinnen und Leser.
Gute Berichterstattung entsteht nicht von selbst. Sie braucht Zeit, Recherche und direkten Kontakt zu den Menschen vor Ort.
