Elf Jahre später stellt Deutschland die Rechnung
Zwischen Hoffnung, Kontrollverlust und der Frage nach politischer Verantwortung – Als Angela Merkel im Jahr 2015 den Satz „Wir schaffen das“ prägte, wurde er für die einen zum Symbol von Humanität und Solidarität. Für die anderen wurde er zum Sinnbild einer Migrationspolitik, deren Folgen Deutschland bis heute beschäftigen. Elf Jahre später stellt sich eine unbequeme Frage: Was genau wurde geschafft – und zu welchem Preis?
Seit 2015 erschütterten zahlreiche islamistisch motivierte Anschläge Deutschland. Berlin, Würzburg, Ansbach, Hamburg, Dresden, Mannheim, Solingen und zuletzt der Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day stehen für eine Entwicklung, die viele Bürger mit wachsender Sorge verfolgen.
Jeder einzelne Anschlag ist das Werk eines Täters – doch jeder Anschlag wirft zugleich Fragen an den Staat auf: Wurden Warnsignale erkannt? Wurden Gefährder ausreichend überwacht? Waren bestehende Gesetze ausreichend oder wurden sie konsequent angewendet?
Die Verantwortung für terroristische Taten tragen selbstverständlich die Täter selbst. Gleichzeitig gehört es zu den Aufgaben eines Rechtsstaates, Gefahren möglichst früh zu erkennen und seine Bevölkerung bestmöglich zu schützen. Genau an diesem Punkt entzündet sich die politische Debatte.
Islamistische Gewalttaten seit 2015
| Datum | Ort | Tat | Opfer |
|---|---|---|---|
| 16.04.2016 | Essen | Sprengstoffanschlag auf einen Sikh-Tempel | 3 Verletzte (Verfassungsschutz) |
| 18.07.2016 | Würzburg | Axt- und Messerangriff in Regionalzug | 5 Verletzte, Täter erschossen (Verfassungsschutz) |
| 24.07.2016 | Ansbach | Selbstmordanschlag vor Musikfestival | 14 Verletzte, Täter tot (Verfassungsschutz) |
| 19.12.2016 | Berlin (Breitscheidplatz) | Lkw-Anschlag auf Weihnachtsmarkt | 13 Tote, über 60 Verletzte (Verfassungsschutz) |
| 28.07.2017 | Hamburg | Messerangriff in Supermarkt | 1 Toter, 6 Verletzte (Verfassungsschutz) |
| 27.04.2020 | Waldkraiburg | Anschlagsserie auf türkischstämmige Personen | 6 Verletzte (Verfassungsschutz) |
| 04.10.2020 | Dresden | Messerangriff auf Touristen | 1 Toter, 1 Schwerverletzter (Verfassungsschutz) |
| 06.11.2021 | ICE Regensburg–Nürnberg | Messerangriff auf Fahrgäste | 3 Verletzte (Verfassungsschutz) |
| 09./18.04.2023 | Duisburg | Messerangriffe in Fitnessstudio und Innenstadt | 1 Toter, 4 Verletzte (Verfassungsschutz) |
| 31.05.2024 | Mannheim | Messerangriff auf Kundgebung, Polizist Rouven Laur getötet | 1 Toter, 5 Verletzte (Verfassungsschutz) |
| 23.08.2024 | Solingen | Messeranschlag auf Stadtfest | 3 Tote, 8 Verletzte (Verfassungsschutz) |
| Juli 2026 | Berlin (Christopher Street Day) | Nach Angaben des Bundesinnenministeriums islamistisch motivierter Messeranschlag | 1 Tote, zahlreiche Verletzte (tagesschau.de) |
Ein Satz, der Deutschland bis heute spaltet
„Wir schaffen das“ war mehr als ein politischer Leitspruch. Er wurde zum Markenzeichen einer politischen Entscheidung von historischer Tragweite. Millionen Menschen kamen nach Europa, Hunderttausende nach Deutschland. Viele integrieren sich erfolgreich, arbeiten, gründen Familien und bereichern das Land. Gleichzeitig zeigen Sicherheitsbehörden seit Jahren, dass auch islamistische Netzwerke und radikalisierte Einzelpersonen zu den größten Bedrohungen für die innere Sicherheit gehören.
Wer diese Realität anspricht, wird häufig vorschnell in politische Schubladen gesteckt. Doch Sicherheit ist weder rechts noch links – sie ist eine Kernaufgabe des Staates.
Vertrauen entsteht durch Kontrolle
Jeder Anschlag erschüttert das Vertrauen der Bevölkerung. Noch schwerer wiegt es, wenn bekannt wird, dass Täter bereits polizeibekannt waren, als Gefährder galten oder ausreisepflichtig waren. Dann richtet sich der Blick nicht nur auf den Täter, sondern auch auf die Behörden und die politischen Entscheidungen der vergangenen Jahre.
Die Menschen erwarten keine perfekte Sicherheit – sie erwarten einen Staat, der seine Gesetze konsequent durchsetzt.
- Wer kein Bleiberecht hat, muss Deutschland verlassen.
- Wer als Gefährder eingestuft wird, muss engmaschig überwacht werden.
- Wer unsere freiheitliche Ordnung bekämpft, darf nicht auf Nachlässigkeit hoffen.
Die eigentliche Debatte beginnt jetzt
Deutschland braucht keine gegenseitigen Schuldzuweisungen und keine ideologischen Reflexe. Es braucht eine ehrliche Bestandsaufnahme. Welche politischen Entscheidungen haben funktioniert? Welche waren Fehleinschätzungen? Und welche Konsequenzen müssen daraus gezogen werden?
Der Satz „Wir schaffen das“ sollte nicht länger als unantastbares politisches Denkmal behandelt werden. Er muss sich an der Realität messen lassen. Politik darf sich nicht allein an guten Absichten messen, sondern an ihren tatsächlichen Ergebnissen.
Schlussgedanke
Elf Jahre nach Angela Merkels berühmtem Satz ist aus einem politischen Versprechen eine gesellschaftliche Bewährungsprobe geworden. Wer Vertrauen zurückgewinnen will, muss Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit und Humanität miteinander verbinden. Nur wenn Politik bereit ist, Erfolge ebenso wie Fehler offen zu benennen, kann sie verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.
Denn am Ende entscheidet nicht ein Slogan über den Erfolg einer Politik – sondern die Realität, die die Menschen Tag für Tag erleben.
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